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Futtermittelkunde für Pferdehalter
Pferde zu füttern ist eine große Verantwortung, entscheidet doch die Fütterung mit über Gesundheit und Leistungsfähigkeit unserer Pferde. Die Fütterung beeinflusst nicht zuletzt auch die Kosten für tierärztliche Behandlungen.

Unser heutiges Pferd hat sich aus einem Steppenbewohner entwickelt, was bedeutet, dass sein Verdauungssystem für die Aufnahme großer Mengen strukturreicher Gräser und Pflanzen ausgelegt ist. Für die heutige Futtersituation bedeutet das, möglichst viel Rauhfutter einzusetzen, z.B. Gras, Heu und Silagen. Da unsere Pferde heute nicht mehr frei umherziehen und sich die benötigten Futterpflanzen selber suchen können (Mineralversorgung), hat Kraftfutter als wichtigste Aufgabe Vitamine und Mineralstoffe zur Verfügung zu stellen und die über die Erhaltung hinausgehenden Energiemengen für Leistung zur Verfügung zu stellen. Dabei ist darauf zu achten, stärkereiche Rationen zu vermeiden, den sie entsprechen nicht der physiologischen Anforderungen des Pferdedarms.


Die wichtigsten Grundsätze in der Pferdefütterung sollten daher immer sein:

1. Immer zuerst Raufutter geben.

Denn beim Kauen werden hierbei sechs (!) Liter Speichel freigesetzt, die den PH-Wert im Magen und Darmtrakt optimal einstellen und somit helfen Koliken zu vermeiden und insbesondere im Magen eventuelle Keime aus dem Kraftfutter abzutöten. Denn besonders in ‚feuchten Jahren’ hat Hafer, aber auch die anderen Getreide hohe Pilz- und Keimgehalte. Füttert man zuerst Kraftfutter wird nur ca. 0,6 bis 1 Liter Speichel (je nach Kraftfuttersorte) gebildet.

2. Nur beste Qualität für Pferde.

Das gilt für alle Rau- und Kraftfutter. Eine Tierarztstudie besagt, dass die Atmungsorgane unserer Pferde heute schon zu 80% vorgeschädigt sind. Die Erklärung hierfür ist einfach, denn Steppentiere leben immer an der frischen Luft, sie schlafen nicht im eigenen Mist und Urin. Ihr Immunsystem hat sich auch an Temperatur und Wetterumschwünge gewöhnt. Staub und Schimmelsporen sind kaum vorhanden und die ständige Bewegung mit dauernden Fresspausen hält Kreislauf und Verdauung in Schwung. Nun stellen Sie sich ein Pensionspferd vor, das in einem schlecht geführten Stall steht, schimmeliges Stroh, staubiges Heu, verdorbene Silage und Getreide, das mit Pilzen durchzogen ist, frisst.

3. Frisches Wasser zur freien Verfügung.

Je nach Rasse trinken Pferde 20 bis 60 Liter täglich, Zuchtstuten auch bis 80 Liter. Die Verdauungsabläufe und der Kreislauf sind auf diese Wassermenge angewiesen um optimal zu funktionieren. Das Pferd kann zwar viele Stunden ohne Wasser (Tagesweide) auskommen, muss aber danach die Möglichkeit haben, die benötigte Menge aufzunehmen. Es konnte übrigens nie nicht bewiesen werden, das große Mengen Wasseraufnahme im Stall nach dem Eintrieb, Koliken hervorrufen. In der Praxis kommt es jedoch öfter vor, dass Pferde die Wasseraufnahme verweigern. Ursache dafür können gechlortes Wasser, ein Eimer mit Fremdgeruch, Stress, ein unbekanntes Tränkebecken, Mäuse in Eimer oder Tränkebecken oder Ähnliches sein. Deshalb bitte unbedingt daran denken: Wassermangel führt zu schweren Koliken und Kreislaufproblemen.

4. Kraftfutterrationen sollen je Fütterung 2 bis 2,5 kg nicht überschreiten.

Der Magen des Pferdes hat zwar ein Fassungsvermögen von 13-15 Liter, aber um Kraftfutter optimal mit Speichel und Magensäure zu vermischen darf er nur mäßig gefüllt sein. Der Magen teilt sich in drei Bereiche: Im vorderen Teil kommt der Nahrungsbrei aus der Speiseröhre an, im mittleren wird Nahrung mit Speichel und Magensäure gemischt und dann im hinteren Teil noch mal kräftig gegen die Magenwände geknetet und zur Keimabtötung auf einen PH-Wert um die 3 abgesenkt. Anschließend wird der übrige Nahrungsbrei portionsweise in den Dünndarm abgegeben. Diese Aufgabe kann der Magen bei zu großen Kraftfuttermengen nicht erfüllen.

5. Kraftfutter sollte eine hohe Stärkeverdaulichkeit im Dünndarm haben.

Wie eingangs schon erwähnt, ist das Pferd ein Raufutterfresser. D.h. wenn wir jetzt gefahrlos Kraftfutter zugeben wollen, ist das Kraftfutter umso besser, je höher die Verdaulichkeit ihres Stärkeanteils für den Dünndarm ist. Stärke, die im Dünndarm dem Organismus zur Verfügung steht, dringt nicht mehr in den Dickdarm-Blinddarmteil und wirkt sich nicht mehr negativ auf die bakterielle Verdauung aus. Zu viel Stärke im Dickdarm-Blinddarmbereich wird zwar auch von den Bakterien verdaut, aber erstens entsteht dann vermehrt Wärme, die ausgeleitet werden muss und nicht als Energie zur Verfügung steht. Zweitens verändern sich die Bakterienkulturen, denn sie werden von Rohfaserfressern zu Stärkefressern und damit wird die Rohfaserverwertung schlechter und dadurch auch die Eigenproduktion von Vitamin B und Biotin. Diese Vitamine kann das richtig ernährte, gesunde Pferd in ausreichender Menge selber herstellen. Hafer hat diese hohe Verdaulichkeit im Dünndarm, ganzer Hafer 80% und gequetscht 90%, Gerste und Mais ganz nur 30% und gequetscht oder gebrochen nur 35%, diese Getreide sollten daher hydrotermisch, besser noch zusätzlich mikronisiert werden, dann erhöht sich ihre Verdaulichkeit auf 90% und können Hafer in der Fütterung ersetzen.


6. Industrielle Fertigfutter, (meistens besser als ihr Ruf)

Kann man die Qualität des Getreides nicht sicherstellen, hat industrielles Mischfutter einen nicht unerheblichen Vorteil, weil dieses Getreide gereinigt und erhitzt wird. Nach der Pelletierung hat sich der Keimgehalt erheblich verringert, zusätzlich hat sich durch Mahlen des Getreides, durch die Hitze und den Dampf die Stärke des Getreides soweit verändert, dass sie eine höhere Dünndarmverdaulichkeit haben als eigene Getreidemischungen. Fertigfutter bestehen zudem nur zu 30 bis 50% aus Getreide. Weitere Komponenten sind z.B. Luzernegrünmehl (hochwertige Rohfaser), Weizenkleie (Rohfaser), Sojaschalen (Rohfaser), Melasseschnitzel (Rohfaser u. Zucker), Leinextraktionsschrot, Bierhefe, Sojaschrot (Proteinreiche Zuchtfutter), Pflanzenöle, Vitamine und Mineralstoffe. Diese Komponenten und der Getreideanteil ergeben eine ausgewogene Mischung für Pferde und überzeugen durch hohe Lagerfähigkeit und niedrige Keimgehalte. Komponenten wie Haferschälkleie (hohe Pilz-u. Keimgehalte), Grünmehl (Qualitätsstufen 2-3, minderwertiges Gras) und Apfeltrester aus der Mostgewinnung (hoch verderblich – nicht zu verwechseln mit Apfeltrester aus der Pektingewinnung, da sofort getrocknet und kaum quellfähig) sollten in Pferdefutter guter Qualität nicht vorhanden sein. Weizen kann an Pferde nur in geringen Mengen gefüttert werden, da er hohe Klebereiweiße hat, welche die Darmflora verkleistern.

7. Vitamine und Mineralstoffe

Es gibt Pferde und Ponys, die benötigen kein Kraftfutter, weil sie sehr leichtfuttrig sind und ohnehin ständig mit Übergewicht kämpfen. Wenn sie nicht gearbeitet werden und ihnen die Energie aus Heu, Gras oder Silage ausreicht, sollte man diesen Tieren zumindest Mineralfutter zu Verfügung stellen. In der Weidesaison eignen sich Mineraleimer, die auf die Weide gestellt werden. Diese stellen nur Mineralien zur Verfügung, was aber neben dem Gras auch ausreichend ist. Im Winter füttert man Mineralfutter mit Vitaminzusätzen, denn Vitamine aus Heu oder Silage bauen sich nach der Ernte rasch ab oder wurden oftmals durch Regen bereits während der Ernte ausgewaschen.

8. Stroh kann Heu nicht ersetzen.

Fütterungsempfehlungen, Pellet nur zu Stroh zu füttern, machen Pferde krank. Ein Pferd benötigt mindestens 1 kg Heu je Tag bei 100 kg Lebendgewicht. Eine Fütterung von 1,5 kg je 100 kg Lebendmasse oder unlimitiert ist durchaus möglich, dadurch verkleinert sich die Kraftfuttermenge. Silage hat einen höheren Feuchtigkeitsanteil, die Ration erhöht sich entsprechend der Feuchte um ca. 20-40%. Ist das Heu einmal knapp und teuer kann man die Ration mit Stroh ergänzen. Ein 600 kg Warmblut bekäme mind.6 kg Heu, eine Ration aus 4 kg Heu und 4 kg Stroh kann über einige Monate die Heuknappheit überbrücken. Langfristig sollte aber Heu (Silage) zu mind.1 kg je 100 kg Lebendgewicht nicht unterschritten werden.
Kirsten Holder
Pferdewirtschaftsmeisterin
Firma Terrahipp
Infoline zu Fütterungsfragen: Tel. 0171-2430981